Rückbildung nach der Geburt: Beckenbodentraining mit Elektrostimulation

Schwangerschaft und Geburt stellen den Beckenboden vor eine enorme Aufgabe. Die Muskulatur, die Organe trägt und Kontinenz sichert, wird über Monate gedehnt und bei der Geburt maximal beansprucht. Viele Frauen bemerken danach, dass sich etwas verändert hat – doch klassische Rückbildungsübungen erfordern eine Muskelansteuerung, die nach der Geburt oft schwerfällt. Hier kann die elektrische Beckenbodenstimulation einen Einstieg bieten.

Rückbildung nach Geburt: Beckenboden-Elektrostimulation

Was passiert mit dem Beckenboden in der Schwangerschaft?

Der Beckenboden ist eine mehrschichtige Muskelplatte, die den Bauchraum nach unten abschließt. In der Schwangerschaft wird diese Muskulatur durch das zunehmende Gewicht des Kindes, der Plazenta und des Fruchtwassers über Monate hinweg belastet. Hormone wie Relaxin machen das Bindegewebe weicher – wichtig für die Geburt, aber eine zusätzliche Herausforderung für die Stabilität des Beckenbodens [Mørkved & Bø, 2014]. Bei einer vaginalen Geburt wird die Muskulatur zusätzlich stark gedehnt. Aber auch nach einem Kaiserschnitt ist der Beckenboden durch die monatelange Belastung in der Schwangerschaft geschwächt. Die häufigsten Folgen:
  • Schwierigkeiten bei der Muskelansteuerung: Viele Frauen können den Beckenboden nach der Geburt nicht bewusst anspannen – das Nervensignal kommt nicht mehr zuverlässig an.
  • Verminderte Haltefunktion: Niesen, Husten oder Heben können zu unwillkürlichem Urinverlust führen.
  • Instabilitätsgefühl: Ein Gefühl von Schwere oder Druck im Beckenbereich.

Rückbildung: Warum reicht der Kurs allein nicht immer?

Rückbildungskurse sind ein wichtiger erster Schritt. In der Gruppe lernen Frauen unter Anleitung, den Beckenboden wieder wahrzunehmen und gezielt anzusteuern. Doch nicht jede Frau schafft es, die richtigen Muskeln zu aktivieren. Studien zeigen, dass ein signifikanter Anteil der Frauen (bis zu 30–50 %) bei rein verbaler Anleitung den Beckenboden falsch oder gar nicht anspannen können [Bø & Sherburn, 2005]. Genau hier setzt die elektrische Stimulation an: Sie übernimmt die Ansteuerung der Muskulatur von außen und zeigt dem Körper, welche Muskeln gemeint sind. Das Prinzip ist vergleichbar mit EMS-Training – nur speziell auf die Beckenbodenmuskulatur abgestimmt.

Wie funktioniert Beckenboden-Elektrostimulation?

Ein Beckenbodentrainer mit Elektrostimulation arbeitet mit einer Vaginalsonde, die sanfte elektrische Impulse an die Muskulatur abgibt. Diese Impulse lösen unwillkürliche Kontraktionen aus – der Beckenboden spannt sich an, ohne dass Sie aktiv daran denken müssen. Die Geräte bieten verschiedene Programme, die unterschiedliche Aspekte der Muskulatur ansprechen. Typische Frequenzbereiche in Beckenboden-ES-Geräten umfassen niedrige Frequenzen (ca. 2–15 Hz) für Ausdauer bzw. Typ-I-Fasern und höhere Frequenzen (ca. 30–50 Hz) für Kräftigung bzw. Typ-II-Fasern; die genauen Werte variieren je nach Gerät und Programm [Dumoulin et al., 2017]:
Programmtyp Ziel Frequenzbereich (orientierend)
Wahrnehmung Dem Körper zeigen, wo der Beckenboden ist Niedrige Frequenzen (ca. 2–10 Hz)
Kräftigung (Typ-II-Fasern) Schnelle Reaktion, z. B. beim Niesen Höhere Frequenzen (ca. 30–50 Hz)
Ausdauer (Typ-I-Fasern) Haltefunktion über längere Zeit Niedrigere Frequenzen (ca. 2–15 Hz)
Kombiniert Ganzheitliches Training beider Fasertypen Wechselnd
Die Elektrostimulation ersetzt keine aktiven Übungen – sie ergänzt sie. Es gibt Hinweise darauf, dass die Kombination von elektrischer Stimulation mit bewussten Beckenbodenübungen (Kegel-Übungen) zu besseren Ergebnissen führen kann als Elektrostimulation allein [Hay-Smith et al., 2011].

Wann nach der Geburt starten?

Der Zeitpunkt ist entscheidend. Der Beckenboden braucht nach der Geburt zunächst Ruhe, bevor er durch Stimulation wieder aufgebaut werden kann.

Zeitlicher Rahmen

Woche 0–6 nach vaginaler Geburt: Schonfrist. Wochenbettgymnastik (Atmung, sanfte Wahrnehmungsübungen) in Absprache mit der Hebamme. Keine Elektrostimulation. Woche 6–8 nach vaginaler Geburt: Gynäkologische Nachuntersuchung. Bei Freigabe durch den Arzt: Beginn der Rückbildung mit oder ohne Elektrostimulation möglich. Nach Kaiserschnitt: Frühestens nach gynäkologischer Nachuntersuchung (meist 6–8 Wochen postpartum) und bei ärztlicher Freigabe beginnen; bei unkompliziertem Verlauf ist der Einstieg häufig ab etwa 8 Wochen möglich [DGGG, 2022]. Bei Geburtsverletzungen (Dammriss, Episiotomie): Unbedingt ärztliches OK abwarten – die Wundheilung muss abgeschlossen sein, bevor eine Sonde eingeführt wird.
Grundregel: Vor dem Start der Elektrostimulation immer die Freigabe von Gynäkologin, Hebamme oder Physiotherapeutin einholen.

Welche Geräte eignen sich für die Rückbildung?

Für die Rückbildung nach der Geburt empfehlen sich Geräte, die als Medizinprodukt zertifiziert sind und spezielle Programme für den Beckenboden bieten. Drei Geräte aus dem CardioVibe-Sortiment sind dafür geeignet:

ELISE 2

Der ELISE 2 ist ein dedizierter Beckenbodentrainer mit klinisch getesteten Programmen. Er bietet verschiedene Programme für Kräftigung, Ausdauer und Muskelwahrnehmung – ideal für Frauen, die ein langfristiges, vielseitiges Training suchen. Das Gerät wird häufig von Physiotherapeuten als Heimgerät empfohlen.

TensCare itouch Sure

Der itouch Sure ist kompakt, einfach zu bedienen und bietet voreingestellte Programme. Besonders geeignet für Einsteigerinnen, die ein unkompliziertes Gerät ohne viel Einarbeitungszeit bevorzugen.

I-TECH MIO PERISTIM

Der I-TECH MIO PERISTIM kombiniert Elektrostimulation mit Biofeedback. Das Biofeedback zeigt auf dem Display an, wie stark Sie Ihren Beckenboden anspannen – so lernen Sie nach und nach, die Muskulatur auch ohne Gerät bewusst zu aktivieren. Das macht ihn besonders wertvoll für die Rückbildung.

So sieht ein Trainingsplan aus

Ein sinnvoller Rückbildungs-Trainingsplan baut sich schrittweise auf:

Phase 1: Wahrnehmung (Woche 1–2 nach Freigabe)

  • Niedrige Intensität, kurze Sitzungen (10–15 Minuten)
  • Ziel: Den Beckenboden wieder spüren lernen
  • Frequenz: 3× pro Woche, mit mindestens einem Tag Pause dazwischen

Phase 2: Aufbau (Woche 3–8)

  • Intensität langsam steigern
  • Sitzungsdauer auf 20 Minuten erhöhen
  • Kräftigungsprogramme (Typ-II-Fasern) einbinden
  • Frequenz: 3–4× pro Woche
  • Zwischen den Sitzungen aktive Kegel-Übungen durchführen

Phase 3: Stabilisierung (ab Woche 9)

  • Volle Programmvielfalt nutzen (Kraft, Ausdauer, Kombination)
  • Sitzungen von 20–30 Minuten
  • Frequenz: 3–5× pro Woche
  • Ziel: Selbstständige Ansteuerung des Beckenbodens ohne Gerät wird immer besser
Viele Frauen berichten, dass sie nach einigen Wochen Training mit Elektrostimulation den Beckenboden deutlich besser spüren und aktiv ansteuern können. Langfristig wird das Gerät dann zur Ergänzung, nicht mehr zur alleinigen Trainingsmethode.

Worauf Sie achten sollten

  • Ärztliche Freigabe: Immer vor dem Start einholen – keine Ausnahme.
  • Sondenhygiene: Die Vaginalsonde nach jeder Anwendung gründlich reinigen. Hinweise des Herstellers beachten.
  • Intensität: Starten Sie niedrig und steigern Sie langsam. Die Kontraktion sollte deutlich spürbar, aber nie schmerzhaft sein.
  • Geduld: Der Beckenboden regeneriert sich nicht über Nacht. Planen Sie mit einem Zeitraum von 3–6 Monaten für spürbare Veränderungen.
  • Kombination mit aktiven Übungen: Elektrostimulation allein ist in der Regel weniger effektiv als die Kombination mit bewusstem Beckenbodentraining [Hay-Smith et al., 2011].
  • Keine Anwendung bei: Schwangerschaft, Scheideninfektionen, unklaren Blutungen oder wenn eine Spirale getragen wird (hier vorher den Arzt fragen).

Häufige Fragen

Kann ich Elektrostimulation auch beim zweiten oder dritten Kind nutzen?

Ja. Bei jeder Schwangerschaft wird der Beckenboden erneut beansprucht. Die Elektrostimulation kann bei jeder Rückbildung unterstützend eingesetzt werden – erneut nach ärztlicher Freigabe. Frauen, die den Beckenboden bereits kennen, steigen meist schneller wieder ein.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für ein Beckenbodentrainingsgerät?

Eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse für Beckenbodentrainer mit Elektrostimulation ist bei medizinischer Indikation (z. B. Harninkontinenz) und ärztlicher Verordnung grundsätzlich möglich (§ 33 SGB V), hängt aber von der jeweiligen Kasse und dem Einzelfall ab [SGB V § 33]. Fragen Sie konkret nach Beckenbodentrainern mit Elektrostimulation und legen Sie ein ärztliches Rezept vor.

Wie unterscheidet sich die Elektrostimulation vom Rückbildungskurs?

Der Rückbildungskurs bietet Ganzkörperübungen, Atemtechnik und Anleitung für die bewusste Beckenbodenarbeit – im Idealfall in der Gruppe mit Hebamme. Die Elektrostimulation ist eine gezielte Ergänzung, die dort ansetzt, wo die willentliche Ansteuerung noch nicht funktioniert. Beides hat seinen Platz; die Kombination ist ideal.

Kann ich auch stillen, während ich den Beckenbodentrainer benutze?

Ja, Stillen und Beckenboden-Elektrostimulation schließen sich nicht aus. Stillen kann über Oxytocin und Prolaktin allerdings relaxierende Effekte auf das Gewebe haben und die Beckenbodenregeneration verzögern; die vollständige Erholung kann dadurch länger dauern. Training ist in dieser Phase dennoch wirksam, sodass Sie den Aufbau nicht aufschieben müssen [Mørkved & Bø, 2014].

Fazit

Die Rückbildung des Beckenbodens ist kein Sprint, sondern ein schrittweiser Prozess. Elektrische Stimulation kann besonders in der Anfangsphase helfen, die Muskulatur wieder zu spüren und gezielt zu aktivieren. Geräte wie der ELISE 2, der itouch Sure oder der MIO PERISTIM bieten einen sicheren, medizinisch zertifizierten Einstieg – am besten in Kombination mit einem Rückbildungskurs und aktiven Übungen. Alle Beckenbodentrainer und weiteres Zubehör finden Sie bei CardioVibe.

Quellen

  • Mørkved S, Bø K. Effect of pelvic floor muscle training during pregnancy and after childbirth on prevention and treatment of urinary incontinence: a systematic review. British Journal of Sports Medicine. 2014;48(4):299–310. doi:10.1136/bjsports-2012-091758.
  • Bø K, Sherburn M. Evaluation of female pelvic-floor muscle function and strength. Physical Therapy. 2005;85(3):269–282. doi:10.1093/ptj/85.3.269.
  • Hay-Smith J, Herderschee R, Dumoulin C, Herbison P. Comparisons of approaches to pelvic floor muscle training for urinary incontinence in women. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2011;(12):CD009508. doi:10.1002/14651858.CD009508.pub2.
  • Dumoulin C et al. Adult conservative management. In: Abrams P et al. (Eds). Incontinence. 6th ed. ICI-RS/ICS; 2017: S. 1443–1524.
  • Laycock J, Haslam J. Therapeutic management of incontinence and pelvic floor dysfunction. 2nd ed. Springer; 2002.
  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). S2k-Leitlinie Postpartale Nachsorge. AWMF-Register-Nr. 015-073. Stand 2022.
  • Sozialgesetzbuch V (SGB V) § 33 Abs. 2 – Hilfsmittelverordnung; G-BA-Richtlinie Hilfsmittel.

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