Präzision in der Tiefe: Warum die 5-Frequenz-Technologie der Diacare 7000 neue Standards setzt

Die Globus Diacare 7000 bietet fünf wählbare Trägerfrequenzen zwischen 400 kHz und 1200 kHz. Was auf dem Datenblatt wie ein Feature wirkt, ist in der klinischen Praxis ein fundamentaler Unterschied: Nur wer die Frequenz an die Zielstruktur anpassen kann, behandelt wirklich selektiv – und nicht das umliegende Gewebe gleich mit.

 Kurze Zusammenfassung

  • Gerät: Globus Diacare 7000
  • Technologie: TECAR-Diathermie (kapazitiv + resistiv)
  • Frequenzspektrum: 400 kHz, 500 kHz, 600 kHz, 1000 kHz, 1200 kHz
  • Zielgruppe: Physiotherapeuten, Sportärzte, Rehabilitationsmediziner
  • Klinischer Vorteil: Frequenzselektive Gewebeschichtansteuerung – von tiefem periartikulärem Gewebe (400 kHz) bis zu oberflächlichen Faszien (1200 kHz). Indikationen: Arthrose, Tendopathien, Muskelverletzungen, Fasziendysfunktion, postoperative Rehabilitation
Globus Diacare 7000: 5-Frequenz-Technologie für Profis
Bild: Diacare 7000

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen: Was bestimmt die Eindringtiefe in der Diathermie?

Hochfrequente Wechselströme erwärmen biologisches Gewebe durch dielektrische Verluste und ohmsche Widerstände. Die physikalische Eindringtiefe ist dabei keine willkürliche Größe, sondern folgt dem Exponentialgesetz der elektromagnetischen Absorption: Je niedriger die Frequenz, desto tiefer dringt der Strom in das Gewebe ein – und umgekehrt.

Dieser Zusammenhang ist aus der HF-Physik gut dokumentiert. In der Medizintechnik bedeutet er: Ein Gerät mit einer einzigen Frequenz kann immer nur einen Kompromiss liefern. Entweder behandelt es tief und riskiert mangelnde Wirkung an der Oberfläche – oder es wirkt oberflächlich und verfehlt tief liegende Pathologien.

Physikalischer Hintergrund: Skin-Depth-Effekt
Die sogenannte „Skin Depth“ (Eindringtiefe) ist die Tiefe, bei der die Feldstärke auf 1/e (~37 %) des Oberflächenwertes abgefallen ist. Sie wird berechnet als δ = 1/√(πfμσ), wobei f die Frequenz, μ die magnetische Permeabilität und σ die elektrische Leitfähigkeit des Gewebes sind. Für biologisches Gewebe (Muskel: σ ≈ 0,6 S/m) ergibt sich bei 400 kHz eine deutlich höhere Eindringtiefe als bei 1200 kHz.

Die 5 Frequenzstufen der Diacare 7000 im Überblick

Die Diacare 7000 bietet folgende Trägerfrequenzen, die der Therapeut je nach Zielstruktur wählt:

FrequenzApplikationstypEindringtiefe (ca.)Primäre Zielstrukturen
400 kHzResistiv5-8 cmTiefe Muskulatur, Periost, periartikuläre Strukturen
500 kHzResistiv / kapazitiv4-6 cmTiefe Muskelschichten, großflächige Gelenke
600 kHzKapazitiv / resistiv3-5 cmMittlere Muskelschicht, Sehnen, Bänder
1000 kHzKapazitiv2-3 cmOberflächliche Muskulatur, Myofaszien, Narbengewebe
1200 kHzKapazitiv1-2 cmFaszien, subkutanes Bindegewebe, oberflächliche Weichteile

Kapazitiv vs. Resistiv: Beide Modi brauchen die richtige Frequenz

TECAR-Therapiegeräte unterscheiden grundsätzlich zwischen kapazitiver (CET) und resistiver (RET) Elektrodenanwendung:

  • Kapazitive Elektrode (Keramik-/Kunststoffdeckel): Wirkt vorrangig auf wasserreiche, ionenreiche Strukturen – also auf Muskulatur und Mikrozirkulation. Die Energie konzentriert sich in den äußeren Gewebeschichten.
  • Resistive Elektrode (Metall): Überwindet höhere Widerstände und eignet sich für schlecht wasserhaltige, also harte Strukturen: Sehnen, Bänder, Knorpel, Knochen.
 

Entscheidend ist nun: Beide Modi profitieren erheblich von der Frequenzwahl. Eine resistive Elektrode bei 400 kHz erreicht tiefes Periost; dieselbe Elektrode bei 600 kHz konzentriert die Wirkung auf Sehnen- und Bandstrukturen in mittlerer Tiefe. Ohne Frequenzwahlmöglichkeit wäre dieser Unterschied nicht erzielbar.

Beispiel: Hüft-Arthrose (Coxarthrose)

Bei einer Coxarthrose sind drei Strukturen simultaner Pathologienträger: der hyaline Knorpel des Azetabulums, die periartikuläre Muskulatur (M. iliopsoas, Glutaei) und die Gelenkkapsel. Ohne Frequenzwahl muss sich der Therapeut für eine Tiefe entscheiden. Mit der Diacare 7000 kann er im selben Behandlungsblock mit 400 kHz (resistiv) die Gelenkkapsel erreichen und anschließend mit 1000 kHz (kapazitiv) die oberflächliche Glutealmuskulatur adressieren – ohne das Gerät zu wechseln.

Beispiel: Laterale Epikondylalgie (Tennisarm)

Die Enthesopathie der Extensoren am Epicondylus lateralis betrifft ein relativ oberflächliches, aber hochresistentes Gewebe (Sehne). Daher empfiehlt sich 600-700 kHz resistiv. Sind gleichzeitig myofasziale Triggerpunkte im M. extensor carpi radialis betroffen, ist ein Wechsel auf 1000 kHz kapazitiv sinnvoll. Nur ein Gerät mit entsprechender Frequenzgranularität kann diesen Wechsel innerhalb einer Sitzung abbilden.

Vergleich: 5 Frequenzen vs. 1-3 Frequenzen (Marktstandard)

Die meisten TECAR-Systeme am Markt bieten ein bis drei Frequenzoptionen – häufig 300 kHz, 500 kHz und 1000 kHz als fixe Stufen. Was fehlt, sind die Zwischenwerte sowie die hohe Frequenz von 1200 kHz für reine Faszienarbeit. Praktisch bedeutet das:

  • Mangelnde Differenzierung: Zwischen tiefer und oberflächlicher Anwendung gibt es keinen graduellen Übergang. Der Therapeut arbeitet binär, nicht selektiv.
  • Kompromissbehandlung: Wenn die Zielstruktur bei 700 kHz optimal wäre, muss der Therapeut zwischen 500 kHz (zu tief) und 1000 kHz (zu flach) wählen.
  • Faszientherapie eingeschränkt: Ohne 1200 kHz-Option ist eine gezielte, isolierte Behandlung oberflächlicher Faszienstrukturen physikalisch schwer erreichbar.
 
Klinischer Hinweis
Die Angaben zu Eindringtiefen sind Orientierungswerte und variieren je nach Gewebekomposition, Applikationsdruck, Elektrodengröße und Intensitätseinstellung. Adipöses Gewebe verringert die Eindringtiefe messbar. Alle Frequenzangaben beziehen sich auf die Trägerfrequenz; die biologische Wirktiefe ist klinisch durch Patientenfeedback (Wärmewahrnehmung) zu validieren.

Klinische Implikationen: Was bedeutet mehr Frequenzauswahl für den Therapeuten?

Die Mehrfrequenz-Technologie der Diacare 7000 ist kein Feature für den Prospekt, sondern ein Werkzeug, das klinisches Entscheiden verändert:

  1. Individualisierte Dosimetrie: Der Therapeut wählt die Frequenz anhand des diagnostischen Befunds, nicht anhand der Gerätebeschränkung.
  2. Mehrschichtige Behandlung in einer Sitzung: Durch sequentiellen Frequenzwechsel können innerhalb von 20 Minuten Behandlung mehrere Gewebeschichten adressiert werden.
  3. Reproduzierbarkeit: Dokumentierte Frequenzprotokolle ermöglichen identische Folgebehandlungen – wichtig für klinische Vergleichbarkeit.
  4. Sicherheit: Höhere Frequenzen (1000-1200 kHz) ermöglichen auch bei höherer Leistung eine sicherere Behandlung oberflächlicher Strukturen, da die Tiefenwirkung physikalisch begrenzt ist.

Integration in die klinische Praxis: Empfohlene Frequenzprotokolle

Die Diacare 7000 liefert werkseitig einen Protokollkatalog für über 50 Pathologien. Die Frequenzempfehlung ist darin für jede Pathologie hinterlegt. Für die häufigsten Indikationen gilt vereinfacht:

  • Kniearthrose: 400-500 kHz resistiv (periarticular) + 600-1000 kHz kapazitiv (Muskel)
  • Schulterimpingement: 600 kHz resistiv (Supraspinatussehne) + 1000 kHz kapazitiv (Deltamuskel)
  • Plantarfasziitis: 600-700 kHz resistiv (Faszie, Periost)
  • Narbenremodellierung: 1000-1200 kHz kapazitiv (subkutan)
  • Lumbaler Rückenschmerz: 400-500 kHz resistiv (tiefe Rückenmuskulatur, Facettengelenke)

Häufig gestellte Fragen

Warum sind 5 Frequenzen in der Diathermie besser als 2 oder 3?
Unterschiedliche Gewebeschichten absorbieren elektromagnetische Energie frequenzabhängig. Mit 5 Frequenzstufen kann der Therapeut die Energiedisposition präzise auf die Tiefe der Zielstruktur abstimmen. Weniger Frequenzoptionen zwingen zu Kompromissen, bei denen entweder das Zielgewebe nicht optimal erreicht wird oder unerwünschte Nachbarstrukturen mitbehandelt werden.
 
Welche Eindringtiefe erreicht die Diacare 7000 bei 400 kHz?
Bei 400 kHz in resistiver Applikation erreicht die Diacare 7000 Eindringtiefen von 5-8 cm, ausreichend für tiefe Muskelstrukturen und periartikuläre Strukturen großer Gelenke wie Hüfte und Knie.
 
Für welche Strukturen eignet sich 1200 kHz in der TECAR-Therapie?
1200 kHz ist ideal für oberflächliche Strukturen wie Faszien, subkutanes Bindegewebe und oberflächliche Weichteilnarben. Die hohe Frequenz konzentriert die Energiedisposition in den ersten 1-2 cm Gewebetiefe und ermöglicht so eine gezielte Faszientherapie ohne thermische Belastung der Tiefe.
 
Kann ich bei der Diacare 7000 die Frequenz während der Behandlung wechseln?
Ja. Die Diacare 7000 erlaubt den Frequenzwechsel im laufenden Betrieb über das Touchscreen-Interface, ohne die Elektrode abzusetzen. Dies ermöglicht sequentielle Mehrschichtbehandlungen innerhalb einer einzigen Therapiesitzung.
 
Ist die 5-Frequenz-Technologie für alle Indikationen relevant?
Für einfache, oberflächliche Indikationen mit gut definierter Zielstruktur ist eine einzelne Frequenz ausreichend. Der Mehrwert der 5-Frequenz-Technologie entfaltet sich jedoch bei komplexen, mehrschichtigen Pathologien (z. B. Kniearthrose mit muskulärer Beteiligung, Schulterpathologien, Rückenschmerzen) und in der postoperativen Rehabilitation.

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Quellen

  • Globus Medical (Hrsg.): Diacare 7000 – Technisches Handbuch und Protokollkatalog. Codogné: Globus Medical, 2023.
  • Gabriel S, Lau RW, Gabriel C: The dielectric properties of biological tissues. Physics in Medicine and Biology, 1996; 41(11): 2271-2293.
  • Draper DO, Castel JC, Castel D: Rate of temperature increase in human muscle during 1 MHz and 3 MHz continuous ultrasound. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy, 1995; 22(4): 142-150.
  • Kumaran B, Watson T: Thermal build-up, decay and retention responses to local therapeutic application of 448 kHz capacitive resistive monopolar radiofrequency: A prospective randomised crossover study in healthy adults. International Journal of Hyperthermia, 2015; 31(8): 883-895.
  • Hernandez-Bule ML, Paino CL, Trillo MA, Ubeda A: Electric stimulation at 448 kHz promotes proliferation of human mesenchymal stem cells. Cellular Physiology and Biochemistry, 2014; 34(5): 1741-1755.

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