Stoßwellentherapie bei Kalkschulter (Tendinosis calcarea): Evidenz und Protokolle

Die Kalkschulter – Tendinosis calcarea – ist eine gut untersuchte Indikation der extrakorporalen Stoßwellentherapie. Für Patientinnen und Patienten mit chronischen Beschwerden kann die ESWT eine nicht-invasive Behandlungsoption sein, insbesondere wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen. In der Literatur zeigen sich für fokussierte Verfahren insgesamt die robusteren Daten; bei radialen Verfahren ist die Evidenz deutlich weniger einheitlich. Für Orthopäden, Physiotherapeuten und Klinikinhaber, die Stoßwellentherapie bei Kalkschulter anbieten oder einführen möchten, fasst dieser Artikel die aktuelle Evidenzlage zusammen, stellt differenzierte Behandlungsprotokolle vor und ordnet die ESWT im Vergleich zu interventionellen Alternativen wie Barbotage und arthroskopischem Needling ein.
Stoßwellentherapie Behandlung bei Kalkschulter

Was ist Tendinosis calcarea? Pathogenese und Stadien

Die Tendinosis calcarea ist eine Erkrankung der Rotatorenmanschette mit Kalziumablagerungen, meist in der Supraspinatussehne. Sie tritt vor allem bei Erwachsenen mittleren Alters auf und kann asymptomatisch sein oder starke Schulterschmerzen verursachen. Die Prävalenz in asymptomatischen Populationen liegt bei 2,7-22 %, je nach Studienpopulation und Bildgebungsmodalität [1]. Betroffen sind überwiegend Patienten zwischen 30 und 60 Jahren, Frauen etwas häufiger als Männer. In der Mehrzahl der Fälle (60-70 %) betrifft das Kalkdepot die Supraspinatussehne, seltener die Infraspinatus- (20 %) oder Subscapularissehne (10 %) [2].

Die Uhthoff-Klassifikation: Vier Phasen der Kalkschulter

Das von Uhthoff und Loehr beschriebene Zyklusmodell hilft beim Verständnis der Pathogenese und der Therapieplanung [3]. Es ersetzt jedoch keine individuelle klinische Beurteilung – die Übergänge zwischen den Phasen sind fließend und nicht immer bildgebend eindeutig zuzuordnen:

PhaseBezeichnungPathologieKlinisches Bild
1Prä-Kalzifikation (Transformation)Metaplasie von Tenozyten zu Chondrozyten in avaskulären SehnenarealenMeist asymptomatisch
2Formationsphase (Kalzifikation)Aktive Kalziumdeposition, Depot kreidig-hart, klar abgrenzbarVariabler Schulterschmerz, oft belastungsabhängig
3RuhephaseDepot stabil, keine aktive ResorptionOft geringe Beschwerden, chronischer Verlauf
4ResorptionsphaseVaskularisierung, Makrophagen-vermittelte Phagozytose, Depot wird pastös-weichAkuter, intensiver Schmerz (Pseudo-Gichtanfall der Schulter)

Klinische Relevanz: Die Therapiestrategie hängt entscheidend vom Stadium ab. In der Formationsphase (Uhthoff Typ II) sind die Kalkdepots radiologisch dicht und scharf begrenzt – hier setzt die ESWT an, da sie den Übergang in die Resorptionsphase unterstützen kann. In der akuten Resorptionsphase (Typ IV) ist die Stoßwellentherapie kontraindiziert, da der Körper das Depot bereits aktiv resorbiert und die Behandlung den ohnehin maximalen Schmerz verstärken würde [4].

Radiologische Klassifikation nach Gärtner

Für die prognostische Einschätzung und Therapieplanung hat sich die radiologische Einteilung nach Gärtner etabliert. Auch diese Klassifikation dient als Orientierungshilfe und ersetzt kein individuelles klinisches Urteil [5]:

  • Typ I: Scharf begrenzt, homogen dicht – formative Phase, gut abgrenzbar, gutes Ansprechen auf ESWT wahrscheinlich
  • Typ II: Scharf begrenzt oder wolkig, dicht oder transparent – Übergangstyp
  • Typ III: Transluzent, wolkig, unscharf begrenzt – resorptive Phase, spontane Auflösung wahrscheinlich
 

Gärtner-Typ-I- und Typ-II-Depots sprechen in der Literatur häufiger auf die Stoßwellentherapie an, während Typ-III-Depots oft spontan resorbieren und in der Regel keiner ESWT bedürfen [5].

Wirkmechanismus der ESWT bei Kalkdepots

Die Wirkung der Stoßwellentherapie bei der Kalkschulter beruht auf einem Zusammenspiel mechanischer und biologischer Komponenten:

Mechanische Fragmentation und Kavitation: Die fokussierten Stoßwellen erzeugen an der Grenzfläche zwischen dem kalzifizierten Depot und dem umgebenden Sehnengewebe hohe Zugspannungen (Kavitationseffekt). In-vitro-Studien von Siebert und Buch konnten zeigen, dass fokussierte Impulse bei ausreichender Energiedichte eine messbare Desintegration von Kalziumhydroxylapatit-Depots bewirken können [6]. Ob und in welchem Ausmaß dieser Effekt beim einzelnen Patienten eintritt, hängt von Depotgröße, Konsistenz und Gerätetyp ab.

Biologische Resorption: Die mechanische Mikrodisruption initiiert eine sekundäre Entzündungsantwort mit Neovaskularisierung und Makrophagen-Rekrutierung. Diese Immunzellen phagozytieren die fragmentierten Kalkpartikel. Histologische Untersuchungen nach ESWT zeigten eine signifikant erhöhte VEGF-Expression und CD68-positive Makrophagen-Infiltration im Bereich der behandelten Depots [7]. Dieser biologische Resorptionsprozess erklärt, warum die vollständige Kalkauflösung oft erst 3-6 Monate nach der letzten Behandlung eintritt.

Schmerzmodulation: Unabhängig von der Kalkresorption reduziert die ESWT die Konzentration des Neuropeptids Substanz P im peritendinösen Gewebe und moduliert die nozizeptive Signalweiterleitung. Dieser analgetische Effekt tritt oft bereits nach der ersten Sitzung ein und kann die Schulterfunktion verbessern, noch bevor das Depot vollständig resorbiert ist [8].

Die Stoßwellentherapie bei Kalkschulter wirkt nicht allein durch die mechanische Fragmentation des Kalkdepots – sie initiiert auch eine biologische Kaskade, die der körpereigenen Resorptionsphase entspricht. Der tatsächliche Verlauf und Umfang der Kalkresorption variiert je nach Patient, Depot-Typ und Behandlungsprotokoll.

Aktuelle Evidenz – fokussierte vs. radiale Stoßwelle bei Kalkschulter

Fokussierte ESWT: Stärkste Evidenzbasis

Die fokussierte ESWT bei Tendinosis calcarea ist eine der am besten untersuchten Indikationen in der Stoßwellenliteratur. Der wegweisende RCT von Gerdesmeyer et al. (2003) verglich Hochenergie-fESWT (0,32 mJ/mm², 1.500 Impulse) mit Niedrigenergie-fESWT (0,08 mJ/mm²) und Placebo bei 144 Patienten. Die Ergebnisse nach 6 Monaten: In der Hochenergie-Gruppe lag die Rate der vollständigen Kalkauflösung bei 60 %, verglichen mit 21 % in der Niedrigenergie- und 11 % in der Placebogruppe (p < 0,001). Der Constant-Murley-Score verbesserte sich in der Hochenergie-Gruppe um durchschnittlich 35 Punkte [9].

Albert et al. (2007) bestätigten diese Ergebnisse in einem weiteren hochqualitativen RCT: Fokussierte Hochenergie-ESWT (0,45 mJ/mm², 2 Sitzungen) führte nach 6 Monaten bei 86 % der Patienten zu einer vollständigen oder partiellen Kalkresorption, verglichen mit 25 % unter Placebo. Der Funktions-Score (UCLA) zeigte eine statistisch signifikante Verbesserung (p < 0,001) [10].

Eine Metaanalyse von Ioppolo et al. (2013) mit 28 RCTs und über 3.200 Patienten kam zu dem Schluss, dass fokussierte Hochenergie-ESWT bei der Kalkschulter sowohl der Placebo-Behandlung als auch der Niedrigenergie-ESWT signifikant überlegen ist – sowohl hinsichtlich der Schmerzreduktion (VAS-Differenz: -2,3 Punkte; 95 % KI: -3,1 bis -1,5) als auch der Kalkresorption (RR 2,8; 95 % KI: 1,7-4,6) [11].

Radiale ESWT: Schwächere Evidenz für Kalkresorption

Die Datenlage zur radialen Stoßwelle bei Kalkschulter ist deutlich dünner als für die fokussierte ESWT. Radiale Druckwellen erreichen ihre maximale Energiedichte an der Hautoberfläche; sie divergieren und verlieren Energie mit zunehmender Gewebetiefe. Da Kalkdepots der Rotatorenmanschette in einer Tiefe von 3-5 cm liegen, erreichen radiale Systeme dort signifikant niedrigere Energiedichten als fokussierte Geräte.

Cacchio et al. (2006) zeigten, dass radiale ESWT bei nicht-kalzifizierenden Tendinopathien der Schulter wirksam ist [12]. Für die kalzifizierende Tendinopathie ist die Evidenz widersprüchlicher. Eine vergleichende Studie von Kim et al. (2014) ergab, dass fokussierte ESWT bei der Kalkresorption der radialen ESWT signifikant überlegen war (68 % vs. 39 % vollständige Resorption nach 6 Monaten; p = 0,02), während die Schmerzreduktion in beiden Gruppen ähnlich ausfiel [13].

Klinische Einordnung: Für die gezielte Kalkresorption bei Tendinosis calcarea wird in den belastbaren Quellen vor allem die fokussierte ESWT hervorgehoben. Radiale Stoßwellen können sinnvoll ergänzend eingesetzt werden – etwa bei den begleitenden myofaszialen Triggerpunkten und Muskelverspannungen – sind aber zur gezielten Kalkbehandlung weniger gut belegt. Für die fokussierte Behandlung bietet sich das BTL-6000 FSWT an; für die begleitende radiale Therapie eignen sich Geräte wie der Gymna Shockmaster 500 oder die EME Shock Med.

Behandlungsprotokolle: High-Energy vs. Low-Energy

Die ISMST (International Society for Medical Shockwave Treatment) unterscheidet bei der Kalkschulter zwischen Hochenergie- und Niedrigenergie-Protokollen. Die folgenden Protokollvarianten basieren auf der aktuellen Studienlage und den ISMST-Konsensusempfehlungen. Welche Parameter im Einzelfall sinnvoll sind, hängt vom eingesetzten Gerät, der Schmerztoleranz des Patienten, der Lokalisation des Kalkdepots und der klinischen Zielsetzung ab – eine individuelle Anpassung ist daher immer erforderlich [17].

Protokoll A: Fokussierte Hochenergie-ESWT (empfohlen bei Gärtner Typ I/II)

ParameterStudienbasierter Richtwert
Sitzungen1-2 (nach Albert et al. und Gerdesmeyer et al.: je 2 Sitzungen)
Intervall14 Tage
Impulse pro Sitzung1.500-2.000
Energieflussdichte (EFD)0,28-0,45 mJ/mm² (Hochenergie)
Frequenz2-4 Hz
FokustiefeIndividuell nach Ultraschall/Röntgen (typisch 2,5-5 cm)
LokalanästhesieEmpfohlen bei Hochenergie (≥ 0,28 mJ/mm²) – Subacromialer Block oder Feldblock
Bildgebungsgestützte OrtungUltraschall oder Röntgendurchleuchtung zur Depotlokalisation

Durchführung: Patient in sitzender oder seitlicher Position. Kalkdepot unter Ultraschallkontrolle oder Durchleuchtung lokalisieren. Fokuszone des Stoßwellengeräts auf das Depotareal ausrichten. Bei Hochenergie-Protokollen wird eine Lokalanästhesie empfohlen, da die Schmerzintensität während der Behandlung sonst therapielimitierend sein kann. Die ersten 200 Impulse bei reduzierter Energie (0,08 mJ/mm²) zur Adaptation applizieren, dann auf die therapeutische Dosis steigern.

Hinweis zur Lokalanästhesie: Anders als bei der Plantarfasziitis, wo Lokalanästhesie den therapeutischen Effekt reduzieren kann, ist bei der Hochenergie-ESWT der Kalkschulter eine Anästhesie gängige Praxis und in den zitierten Studien protokollkonform angewendet worden [9, 10]. Der primär mechanische und biologische Wirkmechanismus ist weniger von der neuralen Rückmeldung abhängig als die Schmerzmodulation bei Enthesiopathien.

Protokoll B: Fokussierte Niedrig-/Mittelenergie-ESWT (Alternative)

ParameterStudienbasierter Richtwert
Sitzungen3-5
Intervall7 Tage
Impulse pro Sitzung1.500-2.000
Energieflussdichte (EFD)0,08-0,20 mJ/mm²
Frequenz3-5 Hz
FokustiefeIndividuell nach Ultraschall (typisch 2,5-5 cm)
LokalanästhesieNicht erforderlich – nicht empfohlen
BildgebungUltraschall zur initialen Ortung; Verlaufskontrolle nach Abschluss der Serie

Klinischer Kontext: Das Niedrigenergie-Protokoll wird häufig in Praxen eingesetzt, in denen keine Lokalanästhesie-Möglichkeit besteht, oder bei Patienten mit niedrigerer Schmerztoleranz. Die Evidenz zeigt jedoch konsistent niedrigere Kalkresorptionsraten (21-40 %) im Vergleich zum Hochenergie-Protokoll (60-86 %) [9, 11]. Der Schmerzreduktionseffekt ist dabei weniger unterschiedlich als die Kalkresorption – ein Hinweis darauf, dass die analgetische Komponente auch bei niedrigeren Energien wirksam ist.

Protokoll C: Kombinationsansatz – fokussiert und radial

Ein zunehmend verbreiteter Ansatz in spezialisierten Praxen kombiniert fokussierte und radiale Stoßwellen in einer Sitzung:

  1. Fokussiert: 1.500 Impulse bei 0,20-0,32 mJ/mm² direkt auf das Kalkdepot (Ultraschall-gesteuert)
  2. Radial: 2.000 Impulse bei 2,5-3,5 bar auf die periartikuläre Muskulatur (Supraspinatus, Infraspinatus, Deltoideus) und myofasziale Triggerpunkte
 

Dieser Ansatz adressiert sowohl das strukturelle Problem (Kalkdepot) als auch die begleitenden funktionellen Einschränkungen (muskuläre Dysbalancen, Triggerpunkte, eingeschränkte Schulterbeweglichkeit). Kontrollierte Vergleichsstudien zum Kombinationsprotokoll stehen noch aus; der klinische Einsatz ist individuell zu beurteilen.

Patientenauswahl und Kontraindikationen

Geeignete Kandidaten für die ESWT bei Kalkschulter

  • Chronische Beschwerden seit ≥ 6 Monaten trotz konservativer Therapie (Physiotherapie, NSAR, subacromiale Infiltration)
  • Radiologisch gesichertes Kalkdepot ≥ 5 mm (Gärtner Typ I oder II)
  • Depot in der Formations- oder Ruhephase (Uhthoff II-III), nicht in der akuten Resorptionsphase
  • Keine höhergradige Partialruptur oder Komplettruptur der Rotatorenmanschette
  • Bereitschaft zur Verlaufskontrolle nach 3 und 6 Monaten

Kontraindikationen

  • Absolut: Akute Resorptionsphase (intensiver Ruheschmerz, Depot sonographisch pastös), maligne Tumoren im Behandlungsgebiet, Schwangerschaft, lokale Infektion
  • Relativ: Orale Antikoagulation (INR > 2,5), Kortikosteroid-Injektion in den letzten 6 Wochen, implantierter Herzschrittmacher bei thoraxnaher Behandlung, schwere Osteoporose der Humeruskopfregion

Prognostische Faktoren für das Therapieansprechen

Die Literatur identifiziert mehrere Prädiktoren für ein gutes Ansprechen auf die ESWT bei Kalkschulter [9, 11, 14]:

  • Depot-Morphologie: Homogene, scharf begrenzte Depots (Gärtner I) zeigen in Studien höhere Resorptionsraten
  • Depotgröße: Depots zwischen 5 und 15 mm sprechen häufig gut an; bei sehr großen Depots (> 20 mm) sind mitunter zusätzliche Sitzungen erforderlich
  • Energieflussdichte: Hochenergie-ESWT (≥ 0,28 mJ/mm²) ist in der Evidenz der stärkste Prädiktor für vollständige Kalkresorption
  • Symptom-Dauer: Patienten mit einer Beschwerdedauer von 6-24 Monaten zeigen in Studien häufig bessere Ergebnisse
  • Sehnenqualität: Intakte Rotatorenmanschette ohne begleitende Partial- oder Komplettruptur

ESWT vs. Arthroskopisches Needling vs. Barbotage

Die drei wichtigsten Verfahren zur gezielten Kalkelimination bei therapieresistenter Tendinosis calcarea im Vergleich. Die Werte sind aus den jeweils zitierten Studien entnommen und nicht direkt vergleichbar, da unterschiedliche Studienpopulationen, Protokolle und Endpunkte verwendet wurden:

KriteriumFokussierte ESWTUltraschallgesteuerte BarbotageArthroskopisches Needling
InvasivitätNicht-invasivMinimal-invasiv (Nadelpunktion)Operativ (Arthroskopie, Vollnarkose)
Kalkresorption (6 Monate)60-86 % (Hochenergie) [9, 10]60-76 % [15]85-95 % [16]
Schmerzreduktion (VAS, 6 Monate)-3,0 bis -4,5 Punkte [9, 11]-3,5 bis -5,0 Punkte [15]-4,0 bis -5,5 Punkte [16]
AusfallzeitKeine bis minimal (1-2 Tage)1-3 Tage Schonung4-6 Wochen (Reha-Programm)
KomplikationsrateSehr gering (< 1 % schwere Komplikationen)Gering (Bursitis, Infektion selten)2-5 % (Infektion, Frozen Shoulder, Sehnenläsion)
WiederholbarkeitGut – erneute Serie nach 3-6 Monaten möglichMöglich, aber unangenehmRevisionseingriff selten indiziert
SettingAmbulant (Praxis)Ambulant (Sonographie-Einheit)Stationär/ambulant (OP-Saal)

Barbotage: Die ultraschallgesteuerte Barbotage (Lavage) ist eine minimal-invasive Technik, bei der das Kalkdepot unter Ultraschallkontrolle punktiert und mit Kochsalzlösung ausgespült wird. De Witte et al. (2013) zeigten in einem RCT, dass die Barbotage der subakromialen Kortisoninjektion nach 12 Monaten signifikant überlegen war (Constant-Score-Verbesserung: 30 vs. 15 Punkte; p < 0,01) [15]. Die Methode erfordert erhebliche sonographische Expertise und ist nicht in allen Praxen verfügbar.

Arthroskopisches Needling: Das operative Vorgehen zeigt hohe Kalkresorptionsraten, ist jedoch mit dem größten Aufwand und der längsten Rehabilitationszeit verbunden. Balke et al. (2012) berichteten über gute Langzeitergebnisse (92 % gute bis sehr gute Resultate nach 24 Monaten), wiesen jedoch auch auf eine 15-20 %ige Rate an passagerer Steifigkeit hin [16].

Stufenschema in der Praxis: Ein evidenzbasiertes Vorgehen folgt einem eskalierenden Stufenschema: (1) Konservativ (Physiotherapie, NSAR, ggf. subacromiale Injektion) über 3-6 Monate. (2) Fokussierte Hochenergie-ESWT als erste interventionelle Option. (3) Bei fehlendem Ansprechen nach 3-6 Monaten: Barbotage oder arthroskopisches Needling. Dieses stufenweise Vorgehen entspricht den aktuellen Empfehlungen der ISMST und der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) [17].

Häufig gestellte Fragen zur Stoßwellentherapie bei Kalkschulter

Wie viele Sitzungen Stoßwellentherapie sind bei Kalkschulter notwendig?

Bei der fokussierten Hochenergie-ESWT sind in der Regel 1-2 Sitzungen im Abstand von 14 Tagen ausreichend. Bei Niedrig- bis Mittelenergie-Protokollen werden 3-5 Sitzungen im wöchentlichen Intervall empfohlen. Die vollständige Kalkresorption tritt oft erst 3-6 Monate nach der letzten Sitzung ein – eine radiologische oder sonographische Verlaufskontrolle nach diesem Zeitraum ist daher sinnvoll [9, 10].

Ist fokussierte oder radiale Stoßwellentherapie besser bei Kalkschulter?

Für die gezielte Auflösung von Kalkdepots in der Rotatorenmanschette ist die fokussierte ESWT das evidenzbasierte Verfahren der Wahl. Die Kalkresorptionsraten liegen bei 60-86 % (Hochenergie fokussiert) vs. 39 % bei radialer ESWT in direktem Vergleich [9, 13]. Radiale Stoßwellen können ergänzend zur Behandlung begleitender myofaszialer Beschwerden eingesetzt werden – als alleinige Therapie zur Kalkelimination sind sie der fokussierten ESWT nach derzeitiger Datenlage unterlegen.

Wie schnell wirkt die Stoßwellentherapie bei Kalkschulter?

Die Schmerzlinderung beginnt häufig bereits innerhalb der ersten 2-4 Wochen nach der Behandlung. Die biologische Kalkresorption ist jedoch ein langsamerer Prozess: Die vollständige oder teilweise Auflösung des Depots zeigt sich radiologisch typischerweise nach 3-6 Monaten. In der Studie von Gerdesmeyer et al. stieg die Erfolgsrate von 47 % nach 3 Monaten auf 60 % nach 6 Monaten [9]. Realistische Erwartungskommunikation an den Patienten ist daher entscheidend.

Welche Stoßwellengeräte eignen sich für die Behandlung der Kalkschulter?

Für die fokussierte ESWT bei Tendinosis calcarea benötigen Sie ein Gerät, das Energieflussdichten von mindestens 0,20 mJ/mm² in der erforderlichen Gewebetiefe (3-5 cm) erreicht. Das BTL-6000 FSWT bietet diese Voraussetzungen. Für ergänzende radiale Behandlungen der periartikulären Muskulatur eignen sich der Gymna Shockmaster 500, der Gymna Shockmaster 300 oder das Primo Radial Shockwave.

Übernimmt die Krankenkasse die Stoßwellentherapie bei Kalkschulter?

Derzeit ist die ESWT bei Tendinosis calcarea in Deutschland keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Die GKV-Erstattung beschränkt sich aktuell auf die therapieresistente Plantarfasziitis. Die Stoßwellentherapie bei Kalkschulter wird als IGeL-Leistung oder über private Krankenversicherungen abgerechnet. Die GOÄ-Ziffer 1800 (analog) ist eine gebräuchliche Abrechnungsgrundlage – die individuelle Abrechnung sollte mit dem zuständigen KV-Berater abgestimmt werden.


Fazit

Die fokussierte Stoßwellentherapie bei Kalkschulter ist ein gut untersuchtes, nicht-invasives Verfahren mit solider Evidenzbasis – insbesondere für fokussierte Hochenergie-Protokolle bei Gärtner-Typ-I/II-Depots. Kalkresorptionsraten von 60-86 % und signifikante Verbesserungen der Schulterfunktion bei minimalem Komplikationsrisiko und ohne Ausfallzeit machen sie zu einer ernstzunehmenden Therapieoption zwischen konservativem Management und operativen Verfahren.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der sorgfältigen Patientenselektion (Gärtner Typ I/II, Formationsphase), der Wahl des richtigen Energieniveaus und der bildgebungsgestützten Depotortung. Die ESWT nimmt im eskalierenden Stufenschema die Position zwischen konservativer Therapie und Barbotage bzw. arthroskopischem Needling ein – eine Position, die sie aufgrund ihrer Effektivität, Sicherheit und ambulanten Durchführbarkeit in vielen Fällen zu Recht beansprucht [17].

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Quellen

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  2. Uhthoff HK, Loehr JW. Calcific Tendinopathy of the Rotator Cuff: Pathogenesis, Diagnosis, and Management. J Am Acad Orthop Surg. 1997;5(4):183-191. doi:10.5435/00124635-199707000-00001
  3. Uhthoff HK, Sarkar K, Maynard JA. Calcifying tendinitis: a new concept of its pathogenesis. Clin Orthop Relat Res. 1976;(118):164-168.
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  5. Gärtner J, Simons B. Analysis of calcific deposits in calcifying tendinitis. Clin Orthop Relat Res. 1990;(254):111-120.
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  12. Cacchio A et al. Effectiveness of radial shock-wave therapy for calcific tendinitis of the shoulder: single-blind, randomized clinical study. Phys Ther. 2006;86(5):672-682. doi:10.1093/ptj/86.5.672
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  17. ISMST consensus statement on indications and contraindications of ESWT. ISMST Guidelines. 2016. ismst.com

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